Es geht um das, was sich hinter der Fassade verbirgt
Auf den großformatigen Fotografien von Michael H. Rohde sind nur Hausfassaden in grellen Farben zu sehen,
ein Stück Straße, ein klar abgegrenzter Horizont, dahinter nichts. Weiß. Irritierend, wie die Perspektive, in der
die grellen Häuser, die Straße, das Nichts scheinbar aufgenommen worden sind. Dabei liegt das Geheimnis der
Bilder nicht in der Technik des Fotografierens, sondern in der anschließenden Bearbeitung am Computer. Zwei
volleTage könne es schon mal dauern, so der Künstler, bis so eine Hausfassadeeingefärbt,der Himmel entfernt
sei. Mit verblüffendem Ergebnis. Denn Rohde retuschiert nicht einfach das ganze Bild. Er vernichtet den
Himmel und alles was nicht mehr neu, abgeblättert, vollgemüllt oder unansehnlich war. Daneben, dahinter
oder auch nur in einerkleinen Ecke auf der anderen Seite, lässt er die Anzeichen des Verfalls unberührt oder
verstärkt sie gar noch. Sohebt er hervor,worum es ihm geht: Um das, was hinter der Fassade steckt. Das
kann übrigens manchmal überraschend ästhetisch sein, wie der Müll auf der Reeperbahn morgens um sechs,
wenn ein ganzbestimmtesLicht die regennassen Straßen in sanfte Farben taucht - oder wenn Rohde an
seinem Computer gesessen hat.
Kirsten Schmidt, Hamburger Morgenpost 01./02. Juni 2002 Seite 32/33
Home, sweet home - Michael H. Rohde blickt auf die Ungeheuerlichkeiten deutscher Wohnkultur
Zum sechsten Mal stellt die swb-Galerie in ihren Räumen in der Theodor-Heuss-Allee Werke von jungen
Künstlerinnen und Künstlern aus. Katerina Vatsella wählte dieses Mal Malerei von Martin Voßwinkel, Fotografie
von Michael H. Rohde, ... aus. Der mittlerweile in Berlin lebende Michael H. Rohde bearbeitet seine Fotografien
am Computer und lässt das Vertraute merkwürdig fremd erscheinen (Foto). ...
Weser Kurier, Bremen Nr.271, Dienstag, 19. November 2002
Ab und Aufbruch
Vertraut und doch fremd wirken die Photographien von Michael H. Rohde, der mit Vorliebe städtische
Architektur als urbane Landschaft behandelt. Auch banale bis skurrile Einfamilienhäuser haben es dem
Photographen angetan, der als ausgebildeter Maschinenschlosser über Kunstpädagogik- und therapie zur
freien Kunst kam. Das Geheimnis hinter seinen Bildern: die analogen Aufnahmen werden von Rohde digitalisiert
und dann stark bearbeitet. Die eigenen Bildkompositionenerscheinen wie bereinigt: grundsätzlich wird der
Himmel ausgeschnitten, zudem die Farben und Formen verändert und die Ansichten durch zumTeil
unterschiedliche Perspektiven neu zusammengefügt.
TOUT VA BIEN - 2002 NR.2
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zum text von jean-christophe ammann